Der Apfel schmeckt nur analog!!

Denken, Lesen & Schreiben bleiben analoge Vorgänge… trotz MacBook, Pad, Pod, Phone, Air, Pro usw. usf.

Natürlich sind uns Tablets & Notebooks auch große Hilfen, wir können blitzschnell in Datenbanken Literatur suchen & sichten, wir können mit Literaturprogrammen arbeiten, Word nimmt uns einen Teil der Fehlerkorrektur ab usw. usf.

Dagegen ist nichts einzuwenden, aber Gedanken müssen sich ent-wickeln, ausbreiten, wachsen, geprüft & manchmal nach-gedacht werden.

Daher mein Arbeitsvorschlag:

  • Lesen in Büchern und ausgedruckten Aufsätzen.
  • Rohtexte handschriftlich verfassen.
  • In Gruppen gemeinsam schreiben – im Schweiße unseres Angesichts sozusagen.

Mit der Hand schreiben bringt eine intensivere Auseinandersetzung mit der Materie mit sich & somit eine gesteigerte Bearbeitungstiefe… – da wissenschaftliches Schreiben kein „Husch-Pfusch-Geschehen“ ist, ist dieser Umstand von Bedeutung!

Der Einsatz der Hand stimuliert das Gehirn ungemein – ohne Be-greifen kein Denken – ohne Denken, kein Schreiben! Dies ist ganz wichtig für die Gehirnentwicklung im Kindesalter & bleibt ebenso bedeutend beim Studieren. Die Hirnforschung belegt mittlerweile sehr gut, wie positiv sich analoges Lesen & Schreiben auf die Lernprozesse auswirkt. Ein Studie dazu trägt den bezeichnenden Titel: The Pen Is Mightier Than the Keyboard (Müller / Oppenheimer, Psychological Science 2014, Vol. 25)

Wer bei der Vorlesung mitschreibt & mitdenkt, anstatt nur in die Kiste zu tippen was ins Ohr dringt, merkt sich den vorgetragenen Inhalt besser!

Es lohnt sich mit der Hand zu schreiben!

Markus Mersits

Von Facebook, Fenster putzen und Fake News

Es ist schon interessant, wer die Streif am schnellsten runterbraust, wer die Australien Open gewonnen hat, wer Spitzenkandidat gewesen wäre, falls wir dann mal wieder fast gewählt hätten… und welcher Trumpel schon wieder irgendwo eine Mauer bauen will.

Unser Dopaminspiegel steigt, wenn am Handy stetig neue News aufpingen und piepsen, um unsere Aufmerksamkeit einzufordern. Es beschäftigt uns, regt uns auf, macht uns mitunter Angst und ist Stoff für Smalltalk, um so manch peinliche Stille zu durchbrechen… „Schwarzenegger war beim Papst, Franziskus hat wohl Lust auf Äktschn….“.

Willst du aber eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreiben, nachdenken, vorplanen & tief in eine Wissensmaterie vordringen, dann wär die wichtigste, wichtigste Diät folgende: sich der News-Maschinerie für ein paar Monate zu entziehen & die geistige Nahrung auf gehaltvolle Kost zu reduzieren!

Ist die erste Zeit überstanden, steigt die Konzentration & die Unruhe, den „Tweet des Jahres zu versäumen“, wird abgelöst durch jene Unruhe, die der schmelzende Zeithorizont hin zum Abgabetermin auslöst.

Ist diese innere Hürde und Zeit verschlingende Gewohnheit der „Newsmania“ der strukturierten Arbeit des Schreibens gewichen, steht einem erfolgreichen Abschluss des Studiums nichts mehr im Wege…. oder fast nichts mehr… – auf jeden Fall hilft´s!

Markus Mersits

Staunen und Zweifeln erlaubt

Mit dem Staunen beginnt das Fragen, das Interesse, die Erkenntnis. Das haben uns schon die Griechen gesagt, zumindest 2 davon: Platon & Aristoteles!

„Über etwas zu staunen heißt, eine Beobachtung, eine Erzählung, eine Erklärung nicht mehr als selbstverständlich anzunehmen, Skepsis gegenüber der eigenen Sinneswahrnehmung zu hegen, Fragen zu stellen, statt bisher gültige Antworten zu übernehmen… Das Staunen ist somit verschwistert mit dem Zweifel“ (Wie das Staunen ins Universum kam. Lesch/Kummer, 2016)

….damit beginnt…. Wissenschaft!

Markus Mersits

Auf falsche Fragen gibt es keine richtigen Antworten!

Die Forschungsfrage ist und bleibt ein Kardinalpunkt beim wissenschaftlichen Schreiben. Ein selbstgewähltes Thema zu bearbeiten ist aufregend. Ein Thema wird zu meinem Thema, mein Thema ist verknüpft mit Interesse, Leidenschaft und Erfahrung. Doch zu viel an Herzblut birgt auch Gefahren!

Anstatt eine winzige Kleinigkeit zu zerlegen, zu analysieren und zu bearbeiten, erblicken Forschungsvorhaben das Licht der Welt, die eher eine Schar von WissenschafterInnen zur Bearbeitung bräuchten, denn ein einzelnes, kleines, verwundbares Studentlein!

Wissenschaft und leidenschaftliches Interesse können sich ergänzen. Eine enge Beziehung zum Thema kann aber auch eine verführerische Sirene sein, die die Schreibenden in manch elendslange Sackgassen „verlenkt.“

Es sei denn…

Du weißt genau, wie du den Forschungsfokus so beschränken und einschränken kannst, dass du innerhalb von 5 bis 8 Monaten das Thema gut bearbeiten kannst!!
Markus Mersits

Nicht jedes Drama ist eine Tragödie

Wie sagt Mephisto zu Faust: „Allwissend bin ich nicht, doch viel ist mir bewusst!“

Liebe Studentinnen, liebe Studenten!

Ich behaupte: Ihr könnt und wisst oft viel mehr, als ihr euch eingestehen möchtet! Bewusst starrt ihr auf eure Inkompetenzen – unbewusst sind euch die vielen Kompetenzen, die euch die Evolution, die Schule, die Oma, die Flötenlehrerin, die Professorinnen usw. mitgegeben haben.

Eine Anregung: macht euch eine Liste mit all den Büchern und Aufsätzen die ihr über euer Thema z.B. zur Masterthese gelesen habt! Sind es 5, 10, 15 oder gar mehr Quellen? Bravo, klopft euch auf die Schulter! Dann nehmt euch denjenigen Text zur Hand der gerade eine gewisse Anziehungskraft entwickelt. Um ihn nicht nochmal wirr nach Brauchbarem zu durchstöbern ist es sinnvoll, ein paar Gedanken in den „Suchfokus“ zu stecken. Was brauche ich jetzt genau vom Text, was suche ich im Text…? Findet man auf diese Frage eine Antwort, dann gleich ein paar Sätze dazu exzerpieren & ein, zwei Gedanken dazu niederschreiben. Jetzt fehlt nur noch die Quellenangabe & Voilá 🙂

Ein neuer Absatz, ein Stück Rohtext wurde geboren!

(Markus Mersits)

Tipps für Lehrende

Dr. Andrea Klein gibt in ihrem für Lehrende sehr hilfreichen Blog wissenschaftliches-arbeiten-lehren.de ihre Erfahrungen bei der Prozessbegleitung von wissenschaftlichen Arbeiten weiter. Sie schreibt über die speziellen Herausforderungen, die das Fach „Wissenschaftliches Arbeiten“ in der Lehre mit sich bringt, in dem es nicht nur um Zitierregeln geht:

„Es ist Sozialisation, es ist Ankommen in der Hochschulwelt mit ihren besonderen Gepflogenheiten (…) Oft werden im Laufe der Semester aus planlosen und überforderten Anfängern routinierte und gleichzeitig ideenreiche Nachwuchswissenschaftler. Sie haben sich eine neue Welt erschlossen.“

 

Wissenschaftliches Schreiben in einer Fremdsprache

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Was ist Mehrsprachigkeit und wie wirkt sie sich auf (wissenschaftliche) Schreibprozesse aus?

Wie geht es Studierenden mit nicht-deutscher Erstsprache, die an
einer deutschsprachigen Universität studieren? Wie geht es deutschsprachigen Studierenden, die ihre Abschlussarbeiten in der Zweit-/Fremdsprache Englisch verfassen müssen?

Was müssen Leitende universitärer Lehrveranstaltungen, die
Schreibprozesse von Studierenden begleiten und/oder
Schreibprodukte beurteilen, beachten, wenn sie diese Studierenden  beim wissenschaftliches Schreiben begleiten?

Dr.Sara Hägis Lecture „Mehrsprachigkeit und wissenschaftliches Schreiben: Möglichkeiten, Grenzen und Konsequenzen“ beantwortet einige Fragen rund um Mehrsprachigkeit & wissenschaftliches Schreiben. Die Videoaufzeichnung des ca.35minütigen Vortrags gibts hier.

Interessante Überlegungen zur Wissenschaftssprache Deutsch stellt Kathrin Miglar in ihrem Artikel „German as an academic language“ an.

Am 5.April startet ein neuer Durchgang des Seminars „frei geschrieben international“ mit Anna Ladurner & Eva Karel. Hier kannst du deinen Schreibprozess (in der Zweit-/Fremdsprache) optimieren. Bist du dabei?

Bildquelle: „Ertappt“, Distant World Gallery, http://distantworlds.de/newgallery/displayimage.php?album=7&pos=9

Tag der Befreiung der verlorenen Seminararbeiten

Du wolltest schon immer mal deine Seminararbeit anderen online zur Verfügung stellen und so dein erlangtes Wissen mit der ganzen Welt teilen? Aber wie funktioniert Open Knowledge und Open Access?

Stefan Kasberger, Christopher Kittel und Sonja Fischbauer zeigen dir, wie`s geht: „Zu Beginn des WS konvertieren wir gemeinsam das Dokument in ein offenes Dateiformat und fügen Informationen hinzu, damit man auch im Nachhinein noch weiß, woher es kommt (sogenannte Metadaten). Nach der Einführung in offene Urheberrechts-Lizenzen können wir dann auch schon das Dokument befreien. Damit es dann auch andere
im Web einfach erreichen können, laden wir es danach in ein Open Data Repository hoch.“

Am 7. April von 13-18h findet in Wien, im DLE Forschungsservice und Nachwuchsförderung, Seminarraum 2, Berggasse 7, 1090 Wien ein Workshop statt: der Tag der Befreiung der verlorenen Seminararbeiten.

Die TrainerInnen sind:

Stefan Kasberger, Open Science Koordinator bei Open Knowledge Austria, Gründer von openscienceASAP und Training Manager bei ContentMine.

Christopher Kittel, Gründer von openscienceASAP und Training Manager bei ContentMine

Sonja Fischbauer arbeitet für Open Knowledge Austria und ist selbständig im Bereich digitale Kommunikation

 

 

Für wen schreibst du deine Masterthese?

Wer wird, wer soll deinen Text lesen? Der Adressat deines Textes ist eine wichtige Komponente im Schreibprozess. Denn: “Zu wissen, für wen man schreibt, heißt, zu wissen, wie man schreiben muss.” (Virginia Woolf)

Als Studierende hast du beim Schreiben deiner Diplomarbeit in der Regel deinen Betreuer  als Leser im Kopf. Ich höre oft von Studierenden, dass sie das Gefühl haben, nur fürs Regal zu schreiben – “Das liest ja eh nie jemand” – oder gar ins Leere zu schreiben. Dass der Betreuer die Masterthese nicht nur lesen, sondern auch kritisch beurteilen wird, kann einschüchtern und den Schreibfluss hemmen, besonders wenn es unsensible Kommentare des Betreuers zu (oft noch sehr rohen) Textproben des Studierenden gibt.

Neben dem realen Betreuer als Leser haben die meisten von uns gedachte Adressaten im Kopf. Peter Elbow nennt diese kritischen inneren Stimmen “readers in the head”, die Personen repräsentieren, die in der Vergangenheit unsere Texte bewertet und kritisiert haben. Bei vielen meiner KursteilnehmerInnen waren es oft rotstiftschwingende Deutschlehrer/innen, deren kritische Stimmen zu so massiven Schreibhemmungen geführt haben, dass das Schreiben im Studium als unüberwindbare angsteinflößende Hürde erscheint.

Wie kannst du mit den kritischen inneren und äußeren Stimmen umgehen, so dass sie dich beim Schreiben nicht behindern?

Mir hat beim Schreiben meiner eigenen Diplomarbeit geholfen, mir als Leser/innen andere Studierende vorzustellen, die Jahre später nach einem guten Überblick über die von mir gewählte Methode der Heidelberger Strukturlegetechnik zur Erfassung Subjektiver Theorien recherchieren werden 🙂 Ich habe also nicht nur für meine Betreuerin geschrieben, sondern auch für die Scientific Community. Wie dieses leserorientierte Schreiben funktioniert, d.h. wie du den Leser mit Metaformulierungen durch den Text leiten kannst und wie dadurch der vom Betreuer geforderte rote Faden sichtbar wird, kannst du lernen, z.B. hier

Während des Schreibens kannst du dir auch einen freundlichen Adressaten vorstellen, einen “friendly reader”. Das kann z.B. eine wohlwollende Studienkollegin sein. Um mit dem inneren Kritiker gut zurecht zu kommen, hilft, ihn beim Schreiben deiner ersten Fassung gedanklich wegzuschicken und erst später, wenn es ans Überarbeiten geht, wieder einzuladen, kritisch deinen Rohtext zu betrachten.

Johanna Vedral

Schreiben heißt Überarbeiten

Kennst du das? Du bist voller Ideen für deine Masterthese und setzt dich mit frischem Schwung zum Schreibtisch. Doch kaum hast du zwei Sätze geschrieben, bist du unzufrieden, beginnst zurück zu lesen und an diesen Sätzen herum zu feilen. Das Verb passt nicht, und dieser Satz klingt noch viel zu ähnlich wie das Originalzitat, das du mühselig in ein indirektes Zitat umgewandelt hast. Außerdem kannst du doch nicht schon wieder einen Satz mit „Laut Mayer (2012)…“ beginnen… Und schon ist es vorbei mit der Schreiblust.

Stopp! Beim Schreiben ist beides wichtig – freies Schreiben und Überarbeiten.

Schreiben ist Ausdruck eines fortschreitenden Denkprozesses. Beim Schreiben geht es nicht darum, etwas fertig Gedachtes niederzuschreiben, sondern schon mit den ersten Überlegungen zu schreiben zu beginnen. Publikationsfertige Texte werden nicht sofort produziert, vielmehr entstehen zuerst Rohtexte („first drafts“), die mehrfach überarbeitet werden. „Schreiben heißt überarbeiten“ ist eine Erkenntnis der Schreibdidaktik, die Schreibende sehr entlastet (Aschemann, 2007).

Überarbeiten ist wichtig und notwendig, um aus einem mäßigen Rohtext einen wirklich guten Text zu machen, aber bitte beginn nicht zu früh damit, sonst überarbeitest du deinen zarten Rohtext zu Tode…Zu frühes Überarbeiten ist eine häufige Ursache für Schreibschwierigkeiten. Die gute Nachricht: Überarbeiten ist ein Handwerk, das erlernt werden kann!

Achte daher darauf, die Phasen des freien Schreibens und Phasen des Überarbeitens zeitlich zu trennen, um dich nicht durch deinen eigenen Perfektionismus in den Schreibstillstand oder eine Schreibblockade hinein zu manövrieren. Du könntest z.B. am Vormittag eine Stunde frei schreiben und erst am Abend oder besser noch am nächsten Tag diesen Text kritisch überarbeiten.

Erlaube dir, einen „shitty first draft“ zu schreiben – denn dieser erste Entwurf wird sowieso noch überarbeitet!

Und wenn du grad am Zweifeln bist, ob dein Text jemals fertig wird:
„The one characteristic that productive writers do hold in common is persistence, even when they are struggling with their work and with their own doubts about their ability“, sagt Steve Hjortshoj in „Understanding Writing Blocks“

Mehr Tipps & Tricks bei Schreibblockaden gibst in Kerstin Hoffmanns Gratis-Ebook „Blogparade gegen Schreibblockade

In diesem Sinne wünsch ich einen guten Start in die neue Schreibwoche 🙂
Johanna Vedral