Wissenschaft schwitzt nicht!

Ein Nachtrag zum letzten Blog-Eintrag.

Es gehört, wie Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) sagt, zum Geschmacke eines Schreibenden, „…einem boshaften Geschmacke vielleicht? –, nichts mehr zu schreiben, womit nicht jede Art Mensch, die »Eile hat«, zur Verzweiflung gebracht wird. Philologie nämlich ist jene ehrwürdige Kunst, welche von ihrem Verehrer vor allem eins heischt, beiseite gehen, sich Zeit lassen, still werden, langsam werden –, als eine Goldschmiedekunst und –kennerschaft des Wortes, die lauter feine vorsichtige Arbeit abzutun hat und nichts erreicht, wenn sie es nicht lento erreicht. Gerade damit aber ist sie heute nötiger als je, gerade dadurch zieht sie und bezaubert sie uns am stärksten, mitten in einem Zeitalter der »Arbeit«, will sagen: der Hast, der unanständigen und schwitzenden Eilfertigkeit, das mit allem gleich »fertig werden« will, auch mit jedem alten und neuen Buche: – sie selbst wird nicht so leicht irgendwomit fertig, sie lehrt gut lesen, das heißt langsam, tief, rück- und vorsichtig, mit Hintergedanken, mit offen gelassenen Türen, mit zarten Fingern und Augen lesen…“

(Nietzsche: Morgenröte. Gedanken über moralische Vorurteile / Vorrede)

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Der Apfel schmeckt nur analog!!

Denken, Lesen & Schreiben bleiben analoge Vorgänge… trotz MacBook, Pad, Pod, Phone, Air, Pro usw. usf.

Natürlich sind uns Tablets & Notebooks auch große Hilfen, wir können blitzschnell in Datenbanken Literatur suchen & sichten, wir können mit Literaturprogrammen arbeiten, Word nimmt uns einen Teil der Fehlerkorrektur ab usw. usf.

Dagegen ist nichts einzuwenden, aber Gedanken müssen sich ent-wickeln, ausbreiten, wachsen, geprüft & manchmal nach-gedacht werden.

Daher mein Arbeitsvorschlag:

  • Lesen in Büchern und ausgedruckten Aufsätzen.
  • Rohtexte handschriftlich verfassen.
  • In Gruppen gemeinsam schreiben – im Schweiße unseres Angesichts sozusagen.

Mit der Hand schreiben bringt eine intensivere Auseinandersetzung mit der Materie mit sich & somit eine gesteigerte Bearbeitungstiefe… – da wissenschaftliches Schreiben kein „Husch-Pfusch-Geschehen“ ist, ist dieser Umstand von Bedeutung!

Der Einsatz der Hand stimuliert das Gehirn ungemein – ohne Be-greifen kein Denken – ohne Denken, kein Schreiben! Dies ist ganz wichtig für die Gehirnentwicklung im Kindesalter & bleibt ebenso bedeutend beim Studieren. Die Hirnforschung belegt mittlerweile sehr gut, wie positiv sich analoges Lesen & Schreiben auf die Lernprozesse auswirkt. Ein Studie dazu trägt den bezeichnenden Titel: The Pen Is Mightier Than the Keyboard (Müller / Oppenheimer, Psychological Science 2014, Vol. 25)

Wer bei der Vorlesung mitschreibt & mitdenkt, anstatt nur in die Kiste zu tippen was ins Ohr dringt, merkt sich den vorgetragenen Inhalt besser!

Es lohnt sich mit der Hand zu schreiben!

Markus Mersits

Von Facebook, Fenster putzen und Fake News

Es ist schon interessant, wer die Streif am schnellsten runterbraust, wer die Australien Open gewonnen hat, wer Spitzenkandidat gewesen wäre, falls wir dann mal wieder fast gewählt hätten… und welcher Trumpel schon wieder irgendwo eine Mauer bauen will.

Unser Dopaminspiegel steigt, wenn am Handy stetig neue News aufpingen und piepsen, um unsere Aufmerksamkeit einzufordern. Es beschäftigt uns, regt uns auf, macht uns mitunter Angst und ist Stoff für Smalltalk, um so manch peinliche Stille zu durchbrechen… „Schwarzenegger war beim Papst, Franziskus hat wohl Lust auf Äktschn….“.

Willst du aber eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreiben, nachdenken, vorplanen & tief in eine Wissensmaterie vordringen, dann wär die wichtigste, wichtigste Diät folgende: sich der News-Maschinerie für ein paar Monate zu entziehen & die geistige Nahrung auf gehaltvolle Kost zu reduzieren!

Ist die erste Zeit überstanden, steigt die Konzentration & die Unruhe, den „Tweet des Jahres zu versäumen“, wird abgelöst durch jene Unruhe, die der schmelzende Zeithorizont hin zum Abgabetermin auslöst.

Ist diese innere Hürde und Zeit verschlingende Gewohnheit der „Newsmania“ der strukturierten Arbeit des Schreibens gewichen, steht einem erfolgreichen Abschluss des Studiums nichts mehr im Wege…. oder fast nichts mehr… – auf jeden Fall hilft´s!

Markus Mersits