Frauen an die MACHT!

Liebe Kolleginnen,

als Philosoph und wissenschaftlich interessierter Mensch muss ich gestehen – besonders in meinem Metier kommen viel zu wenig Frauen zu Wort! Wenn ich nachdenke kommen mir schon zeitgenössische Philosophinnen in den Sinn, z. B.

Annemarie Pieper, Dagmar Fenner, Carmen Kaminsky, Lisz Hirn, Barbara Bleisch, Herlinde Pauer-Studer, Herta Nagel-Docekal, Susan Neiman, Judith Butler, Martha Nussbaum, Catherine Newmark usw.

Denke ich aber an Klassiker, dann kommen mir gerade mal Hannah Arendt und Simone de Beauvoir in den Sinn.

Wissenschaft heißt auch die ausgetretenen Pfade zu verlassen und sich auf die Suche machen, nach interessanten Ideen und Nischen des Wissens, nach großen aber vielleicht unbekannten Entwürfen, Gedanken, Ideen usw.

Deshalb bin ich bewusst auf die Suche gegangen, um die Denkwelt von Philosophinnen besser kennen zu lernen. Dazu gibt es übrigens eine Schreibnacht, am 05. Mai im Writersstudio, 19.45 – 23 Uhr:
Philosophisches Frühlingserwachen: Eine Schreibnacht auf den Spuren großer DenkerInnen.

Markus Mersits

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Wissenschaft schwitzt nicht!

Ein Nachtrag zum letzten Blog-Eintrag.

Es gehört, wie Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) sagt, zum Geschmacke eines Schreibenden, „…einem boshaften Geschmacke vielleicht? –, nichts mehr zu schreiben, womit nicht jede Art Mensch, die »Eile hat«, zur Verzweiflung gebracht wird. Philologie nämlich ist jene ehrwürdige Kunst, welche von ihrem Verehrer vor allem eins heischt, beiseite gehen, sich Zeit lassen, still werden, langsam werden –, als eine Goldschmiedekunst und –kennerschaft des Wortes, die lauter feine vorsichtige Arbeit abzutun hat und nichts erreicht, wenn sie es nicht lento erreicht. Gerade damit aber ist sie heute nötiger als je, gerade dadurch zieht sie und bezaubert sie uns am stärksten, mitten in einem Zeitalter der »Arbeit«, will sagen: der Hast, der unanständigen und schwitzenden Eilfertigkeit, das mit allem gleich »fertig werden« will, auch mit jedem alten und neuen Buche: – sie selbst wird nicht so leicht irgendwomit fertig, sie lehrt gut lesen, das heißt langsam, tief, rück- und vorsichtig, mit Hintergedanken, mit offen gelassenen Türen, mit zarten Fingern und Augen lesen…“

(Nietzsche: Morgenröte. Gedanken über moralische Vorurteile / Vorrede)

Der Apfel schmeckt nur analog!!

Denken, Lesen & Schreiben bleiben analoge Vorgänge… trotz MacBook, Pad, Pod, Phone, Air, Pro usw. usf.

Natürlich sind uns Tablets & Notebooks auch große Hilfen, wir können blitzschnell in Datenbanken Literatur suchen & sichten, wir können mit Literaturprogrammen arbeiten, Word nimmt uns einen Teil der Fehlerkorrektur ab usw. usf.

Dagegen ist nichts einzuwenden, aber Gedanken müssen sich ent-wickeln, ausbreiten, wachsen, geprüft & manchmal nach-gedacht werden.

Daher mein Arbeitsvorschlag:

  • Lesen in Büchern und ausgedruckten Aufsätzen.
  • Rohtexte handschriftlich verfassen.
  • In Gruppen gemeinsam schreiben – im Schweiße unseres Angesichts sozusagen.

Mit der Hand schreiben bringt eine intensivere Auseinandersetzung mit der Materie mit sich & somit eine gesteigerte Bearbeitungstiefe… – da wissenschaftliches Schreiben kein „Husch-Pfusch-Geschehen“ ist, ist dieser Umstand von Bedeutung!

Der Einsatz der Hand stimuliert das Gehirn ungemein – ohne Be-greifen kein Denken – ohne Denken, kein Schreiben! Dies ist ganz wichtig für die Gehirnentwicklung im Kindesalter & bleibt ebenso bedeutend beim Studieren. Die Hirnforschung belegt mittlerweile sehr gut, wie positiv sich analoges Lesen & Schreiben auf die Lernprozesse auswirkt. Ein Studie dazu trägt den bezeichnenden Titel: The Pen Is Mightier Than the Keyboard (Müller / Oppenheimer, Psychological Science 2014, Vol. 25)

Wer bei der Vorlesung mitschreibt & mitdenkt, anstatt nur in die Kiste zu tippen was ins Ohr dringt, merkt sich den vorgetragenen Inhalt besser!

Es lohnt sich mit der Hand zu schreiben!

Markus Mersits

Staunen und Zweifeln erlaubt

Mit dem Staunen beginnt das Fragen, das Interesse, die Erkenntnis. Das haben uns schon die Griechen gesagt, zumindest 2 davon: Platon & Aristoteles!

„Über etwas zu staunen heißt, eine Beobachtung, eine Erzählung, eine Erklärung nicht mehr als selbstverständlich anzunehmen, Skepsis gegenüber der eigenen Sinneswahrnehmung zu hegen, Fragen zu stellen, statt bisher gültige Antworten zu übernehmen… Das Staunen ist somit verschwistert mit dem Zweifel“ (Wie das Staunen ins Universum kam. Lesch/Kummer, 2016)

….damit beginnt…. Wissenschaft!

Markus Mersits

Auf falsche Fragen gibt es keine richtigen Antworten!

Die Forschungsfrage ist und bleibt ein Kardinalpunkt beim wissenschaftlichen Schreiben. Ein selbstgewähltes Thema zu bearbeiten ist aufregend. Ein Thema wird zu meinem Thema, mein Thema ist verknüpft mit Interesse, Leidenschaft und Erfahrung. Doch zu viel an Herzblut birgt auch Gefahren!

Anstatt eine winzige Kleinigkeit zu zerlegen, zu analysieren und zu bearbeiten, erblicken Forschungsvorhaben das Licht der Welt, die eher eine Schar von WissenschafterInnen zur Bearbeitung bräuchten, denn ein einzelnes, kleines, verwundbares Studentlein!

Wissenschaft und leidenschaftliches Interesse können sich ergänzen. Eine enge Beziehung zum Thema kann aber auch eine verführerische Sirene sein, die die Schreibenden in manch elendslange Sackgassen „verlenkt.“

Es sei denn…

Du weißt genau, wie du den Forschungsfokus so beschränken und einschränken kannst, dass du innerhalb von 5 bis 8 Monaten das Thema gut bearbeiten kannst!!
Markus Mersits

Tipps für Lehrende

Dr. Andrea Klein gibt in ihrem für Lehrende sehr hilfreichen Blog wissenschaftliches-arbeiten-lehren.de ihre Erfahrungen bei der Prozessbegleitung von wissenschaftlichen Arbeiten weiter. Sie schreibt über die speziellen Herausforderungen, die das Fach „Wissenschaftliches Arbeiten“ in der Lehre mit sich bringt, in dem es nicht nur um Zitierregeln geht:

„Es ist Sozialisation, es ist Ankommen in der Hochschulwelt mit ihren besonderen Gepflogenheiten (…) Oft werden im Laufe der Semester aus planlosen und überforderten Anfängern routinierte und gleichzeitig ideenreiche Nachwuchswissenschaftler. Sie haben sich eine neue Welt erschlossen.“

 

Wissenschaftliches Schreiben in einer Fremdsprache

ertappt.gif

Was ist Mehrsprachigkeit und wie wirkt sie sich auf (wissenschaftliche) Schreibprozesse aus?

Wie geht es Studierenden mit nicht-deutscher Erstsprache, die an
einer deutschsprachigen Universität studieren? Wie geht es deutschsprachigen Studierenden, die ihre Abschlussarbeiten in der Zweit-/Fremdsprache Englisch verfassen müssen?

Was müssen Leitende universitärer Lehrveranstaltungen, die
Schreibprozesse von Studierenden begleiten und/oder
Schreibprodukte beurteilen, beachten, wenn sie diese Studierenden  beim wissenschaftliches Schreiben begleiten?

Dr.Sara Hägis Lecture „Mehrsprachigkeit und wissenschaftliches Schreiben: Möglichkeiten, Grenzen und Konsequenzen“ beantwortet einige Fragen rund um Mehrsprachigkeit & wissenschaftliches Schreiben. Die Videoaufzeichnung des ca.35minütigen Vortrags gibts hier.

Interessante Überlegungen zur Wissenschaftssprache Deutsch stellt Kathrin Miglar in ihrem Artikel „German as an academic language“ an.

Am 5.April startet ein neuer Durchgang des Seminars „frei geschrieben international“ mit Anna Ladurner & Eva Karel. Hier kannst du deinen Schreibprozess (in der Zweit-/Fremdsprache) optimieren. Bist du dabei?

Bildquelle: „Ertappt“, Distant World Gallery, http://distantworlds.de/newgallery/displayimage.php?album=7&pos=9

Tag der Befreiung der verlorenen Seminararbeiten

Du wolltest schon immer mal deine Seminararbeit anderen online zur Verfügung stellen und so dein erlangtes Wissen mit der ganzen Welt teilen? Aber wie funktioniert Open Knowledge und Open Access?

Stefan Kasberger, Christopher Kittel und Sonja Fischbauer zeigen dir, wie`s geht: „Zu Beginn des WS konvertieren wir gemeinsam das Dokument in ein offenes Dateiformat und fügen Informationen hinzu, damit man auch im Nachhinein noch weiß, woher es kommt (sogenannte Metadaten). Nach der Einführung in offene Urheberrechts-Lizenzen können wir dann auch schon das Dokument befreien. Damit es dann auch andere
im Web einfach erreichen können, laden wir es danach in ein Open Data Repository hoch.“

Am 7. April von 13-18h findet in Wien, im DLE Forschungsservice und Nachwuchsförderung, Seminarraum 2, Berggasse 7, 1090 Wien ein Workshop statt: der Tag der Befreiung der verlorenen Seminararbeiten.

Die TrainerInnen sind:

Stefan Kasberger, Open Science Koordinator bei Open Knowledge Austria, Gründer von openscienceASAP und Training Manager bei ContentMine.

Christopher Kittel, Gründer von openscienceASAP und Training Manager bei ContentMine

Sonja Fischbauer arbeitet für Open Knowledge Austria und ist selbständig im Bereich digitale Kommunikation

 

 

Für wen schreibst du deine Masterthese?

Wer wird, wer soll deinen Text lesen? Der Adressat deines Textes ist eine wichtige Komponente im Schreibprozess. Denn: “Zu wissen, für wen man schreibt, heißt, zu wissen, wie man schreiben muss.” (Virginia Woolf)

Als Studierende hast du beim Schreiben deiner Diplomarbeit in der Regel deinen Betreuer  als Leser im Kopf. Ich höre oft von Studierenden, dass sie das Gefühl haben, nur fürs Regal zu schreiben – “Das liest ja eh nie jemand” – oder gar ins Leere zu schreiben. Dass der Betreuer die Masterthese nicht nur lesen, sondern auch kritisch beurteilen wird, kann einschüchtern und den Schreibfluss hemmen, besonders wenn es unsensible Kommentare des Betreuers zu (oft noch sehr rohen) Textproben des Studierenden gibt.

Neben dem realen Betreuer als Leser haben die meisten von uns gedachte Adressaten im Kopf. Peter Elbow nennt diese kritischen inneren Stimmen “readers in the head”, die Personen repräsentieren, die in der Vergangenheit unsere Texte bewertet und kritisiert haben. Bei vielen meiner KursteilnehmerInnen waren es oft rotstiftschwingende Deutschlehrer/innen, deren kritische Stimmen zu so massiven Schreibhemmungen geführt haben, dass das Schreiben im Studium als unüberwindbare angsteinflößende Hürde erscheint.

Wie kannst du mit den kritischen inneren und äußeren Stimmen umgehen, so dass sie dich beim Schreiben nicht behindern?

Mir hat beim Schreiben meiner eigenen Diplomarbeit geholfen, mir als Leser/innen andere Studierende vorzustellen, die Jahre später nach einem guten Überblick über die von mir gewählte Methode der Heidelberger Strukturlegetechnik zur Erfassung Subjektiver Theorien recherchieren werden 🙂 Ich habe also nicht nur für meine Betreuerin geschrieben, sondern auch für die Scientific Community. Wie dieses leserorientierte Schreiben funktioniert, d.h. wie du den Leser mit Metaformulierungen durch den Text leiten kannst und wie dadurch der vom Betreuer geforderte rote Faden sichtbar wird, kannst du lernen, z.B. hier

Während des Schreibens kannst du dir auch einen freundlichen Adressaten vorstellen, einen “friendly reader”. Das kann z.B. eine wohlwollende Studienkollegin sein. Um mit dem inneren Kritiker gut zurecht zu kommen, hilft, ihn beim Schreiben deiner ersten Fassung gedanklich wegzuschicken und erst später, wenn es ans Überarbeiten geht, wieder einzuladen, kritisch deinen Rohtext zu betrachten.

Johanna Vedral

Wie finde ich Zeit fürs Schreiben meiner Masterthese?

Wie schaffe ich es, neben Fulltimejob, Kindern und Fortbildungen meine Abschlussarbeit/ mein Buch zu schreiben? Eine Frage, mit der viele Studierende ins Coaching kommen. Eine Frage, die auch für erfahrene Autor/innen immer wieder herausfordernd ist.

Ein größeres Textprojekt wie eine Masterthese, ein Sachbuch oder ein Roman wird dich voraussichtlich 6 bis 12 Monate oder länger beschäftigen. Wie soll sich das nur ausgehen? Der Tag hat nun mal nur eine begrenzte Anzahl an Stunden… Und du hast ja auch noch ein Leben neben dem Schreiben… Stopp! Bevor du jetzt weitergrübelst, einfach drauflosschreibst oder dir Stress erzeugende unrealistische Deadlines setzt, nimm dir eine Stunde Zeit.

Du hast keine ganze Stunde Zeit? Dann fang mal mit einer halben Stunde an. Dafür hast du auch keine Zeit? Dann probier es mal mit 15 Minuten. Du kannst die folgenden Schreibübungen auch in 15-Minuten-Sessions angehen. Oder hast du dafür auch keine Zeit?

Wenn du nicht wenigstens 15 Minuten täglich Zeit findest, dich mit deiner Masterthese zu befassen, wird es noch lange dauern, bis du dieses Projekt abhaken kannst.

Also, starte mit 15 Minuten:

Zeit fürs Schreiben finden/ Übungen für 4 x 15 Minuten

  1. Cluster: Du brauchst deinen Kalender und ein paar Bögen Papier, am besten A3. Beginne mit einem Cluster, welche Projekte du in den nächsten 12 Monaten verwirklichen möchtest. Markiere farbig, wo die größte Freude und Dringlichkeit ist. Welche Projekte sind vorrangig?
  2. Freewriting: Wenn du von all den Projekten nur drei verwirklichen könntest, welche sind das? Und warum?
  3. Freewriting: Wenn du von all den Projekten nur eines verwirklichen könntest, welches ist das? Deine Masterthese? Oder etwas anderes? Warum?
  4. Nimm deinen Kalender zur Hand. Was steht schon in deinem Kalender? Welche anderen Projekte hast du am Laufen? Wie sieht es mit deinen Kapazitäten aus? Wie viele Stunden pro Woche, wie viele Schreibeinheiten kannst du in deinem Leben fürs Schreiben freischaufeln? Was kannst du umschlichten, verschieben oder weglassen, damit ein weiteres Projekt in dein Leben hineinpasst?

Markiere einen nächsten Termin für deine Masterthese/ dein Schreibprojekt in deinem Kalender. Am besten auch gut eine Stunde, um dir Überblick über Milestones, Zwischen-Deadlines etc. zu verschaffen.

Hilfreiche Begleiter: Schreiben muss keine einsame Angelegenheit sein! Gemeinsam in einer motivierenden Gruppe funktioniert Zeitmanagement, Durchhalten und Dranbleiben besser als allein. Die nächste Gruppe für Studierende, die ihre Abschlussarbeit mit Schwung und Strategie angehen wollen, startet am Di. 21. April, 16:00 in Wien. Bis 7.April gibt’s den Frühbucherpreis!

Johanna Vedral